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Weihnachten als Hoffnungslicht

Interview mit Stadtdekan Klaus Nebel
Weihnachten als Hoffnungslicht
Weihnachten als Hoffnungslicht
Stadtdekan, Pfarrer Klaus Nebel © 2015 Benjamin Dahlhoff

Wir haben jetzt aufgrund der Pandemie harte Beschränkungen, der Lockdown bis dahin wurde gern als „light“ bezeichnet. Gibt es dieses Jahr auch nur so eine Art „Weihnachten light“?

Stadtdekan Nebel: Von einem Weihnachten "light" zu sprechen hat ja etwas Doppelbödiges. "Light" bedeutet ja einerseits "leicht" und wir verbinden das Wort mit kalorienarmen Produkten. Ob Weihnachten wegen des Lockdowns kalorienärmer wird, sei dahingestellt... Aber Weihnachten wird dieses Jahr ohne Zweifel anders gefeiert: Es ist ein stilleres Weihnachten als sonst. Und wir erkennen dabei, wie schwer es uns heute fällt, die Stille auszuhalten. Sie kann etwas Negatives an sich haben, wenn es die Stille ist, die aus der Einsamkeit herkommt. Sie kann aber auch etwas Gutes haben, wenn sie zur hörenden Stille wird, in der sich das Wesentliche des Weihnachtsfestes neu erschließen kann, jenseits von Geschenkerummel und Glühweinständen und dem sonst üblichen und oft erschöpfenden Programm, das wir absolvieren (müssen). "Light" bedeutet andererseits eben auch "Licht". Vielleicht kommen wir dieses Jahr dem Kern des Weihnachtsfestes so näher: Der Geburtstag jenes Lichtes, das Gott ist und Mensch wurde in Jesus, dem Kind in der Krippe.

Viel ist davon die Rede, was in diesem Jahr alles fehlt. Was braucht es denn, um „richtig“ Weihnachten feiern zu können?

Stadtdekan Nebel: Um "richtig" Weihnachten zu feiern braucht man ein Herz, das sich wirklich Gott neu öffnet. Mehr nicht. Er soll in uns neu geboren werden: So werden wir selbst auch neu; berührt von seiner liebenden Gegenwart können wir selbst mehr zu Liebenden werden und im Erkennen des Wesentlichen für unser Leben auch gelassener werden. 

Was vermissen Sie in diesem Jahr an Weihnachten besonders?

Stadtdekan Nebel: Freilich wird uns dabei in diesem Jahr manches fehlen, was uns zu Recht wertvoll ist: Weihnachten ist ja ein Fest der Begegnung, zunächst zwischen Gott und Mensch in der Krippe von Bethlehem. Dann ist es aber auch ein Fest, das uns Menschen untereinander zusammenführt, in der Familie und im Freundeskreis. Dass diese kostbaren Begegnungen in diesem Jahr eingeschränkt sind, ist schmerzlich und zwar besonders dort, wo einsame, ältere oder kranke Menschen wegen des Virus nicht besucht werden können. Ich werde außerdem die vollen Kirchen an den Weihnachtstagen vermissen. Wir dürfen zwar Gottesdienst feiern, aber eben unter sehr strengen Hygieneauflagen; darin haben wir inzwischen Übung. Aber es fehlt ohne Zweifel etwas, wenn es keinen Gemeindegesang geben kann, wenn wir uns in der Gestaltung der Gottesdienste deutlich einschränken müssen, wenn wir mit Maske auf Abstand sitzen und uns vorher zum Gottesdienst im Pfarrbüro anmelden müssen. Zum Feiern gehört ja auch etwas Unbefangenes dazu. Das ist dieses Jahr anders.

Wie ist es um Ihre Weihnachtsfreude bestellt?

Stadtdekan Nebel: Ich freue mich trotzdem auf Weihnachten. Wenn wir es auch anders feiern, es fällt nicht aus. Vielmehr kann das Fest gerade in den gegenwärtigen Herausforderungen zu einem Hoffnungslicht werden: Der Blick in die Krippe von Bethlehem verrät ja, dass Gott nicht in eine heile Welt gekommen ist; Jesus hat an seinem eigenen Leib all das Unheilvolle und Dunkle erlebt. Für den, der mit gläubigen Blick Weihnachten feiert, hat aber alles Dunkle und Abgründige seinen letzten Schrecken verloren, weil er weiß: Gott ist da. Die Pandemie wird irgendwann zu Ende sein. Aber das Weihnachtsfest wird bleiben, weil Gott gekommen und geblieben ist.

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