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Viel Diskussionsbedarf zur Ökumene

Mit rund 70 Teilnehmern startete in St. Peter und Paul die Sonntagsmatinée
Viel Diskussionsbedarf zur Ökumene
Viel Diskussionsbedarf zur Ökumene
Beim Thema Eucharistie stößt Ökumene an ihre Grenzen © Pixabay

Viel Zuspruch und eine lebhafte Diskussion gab es zur Premiere der Veranstaltungsreihe „Christen sagen ihre Meinung“: Rund 70 Teilnehmer hatten sich im Gemeindehaus von St. Peter & Paul in Schierstein eingefunden, um sich über „Gelebte Ökumene“ auszutauschen. Die zu Beginn geteilten persönlichen Erfahrungen mit Ökumene machten deutlich, dass Ökumene bereits ein fester Bestandteil des Gemeindelebens ist. Diese Annäherung und die Möglichkeit, mit den drei christlichen Gemeinden vor Ort in Schierstein viele überkonfessionelle Angebote in Anspruch nehmen zu können, beschrieben die Teilnehmer ausnahmslos als bereichernd. 

Tiefschlag für die Ökumene

Schnell wurde aber auch klar, dass die Ökumene in der Eucharistie an ihre Grenzen stößt. Gerade gemischt-konfessionelle Paare und Familien schilderten das als belastend, da sie in der Kirche keine echte Gemeinschaft erleben könnten. Als eine Art „Tiefschlag“ für die Ökumene beschrieben einige Schiersteiner den Besuch des ehemaligen Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst zum Gründungsgottesdienst der Pfarrei St. Peter und Paul. Der Bischof hatte zwar die evangelischen Christen zum Kommuniongang mit vor den Altar gebeten, allerdings nicht zum Kommunionempfang, sondern zur Segnung. Wer keine Kommunion empfangen dürfe, sollte mit vor der Brust verschränkten Armen vortreten. „Wir empfanden das als herabwürdigend. Im Nachhinein betrachtet, hätten wir aus Solidarität alle mit verschränkten Armen zur Kommunion gehen sollen“, erinnert sich eine Teilnehmerin.

Leben und Lehre klaffen auseinander

„Leben und Lehre klaffen hier auseinander. Die Theologie verkompliziert das Ganze. Mir geht es nicht um eine Lehre, die wir in das Abendmahl hineininterpretieren“, sagte ein Teilnehmer. Einige Teilnehmer aus den katholischen Gemeinden äußerten daraufhin, dass sie ihr eigenes Gewissen befragt hätten und zu dem Schluss gekommen seien, dass sie es mit sich vereinbaren können, auch am evangelischen Abendmahl teilzunehmen. Eine Kommunionhelferin berichtete davon, dass sie in ihrer Ausbildung bereits vor zwanzig Jahren gelernt hätte, jedem die Kommunion auszuteilen, der danach ein Bedürfnis hat: „Mir steht es gar nicht zu, über dieses Bedürfnis zu urteilen.“

Nach dem eigenen Gewissen entscheiden

Pfarrer i. R. Reinhard Rosenbusch ermutigte die Anwesenden, selbstbestimmt und nach dem eigenen Gewissen zu entscheiden: „Das Kirchenrecht und die darin enthaltenen Dogmen sind nur die objektive Seite. Wie damit subjektiv umgegangen wird, muss jeder für sich entscheiden. Papst Franziskus ruft uns auf zu lernen, unsere eigenen Entscheidungen zu treffen. So steht es auch im katholischen Katechismus.“ Dies sei ein großer Schritt, den viele noch gar nicht so wahrgenommen hätten. Pfarrer Dr. Jörg Mohn von der evangelischen Christophorus-Gemeinde stimmte dem zu und erinnerte daran, dass Papst Franziskus auf die Frage nach der eucharistischen Gastfreundschaft, also der Möglichkeit, auch evangelischen Christen die Kommunion zu spenden, geantwortet habe: „Prüft Euer Gewissen und geht voran.“

Einige Matinee-Teilnehmer schlugen vor, auf die Möglichkeit der Gewissensprüfung und der selbstbestimmten Entscheidung für oder gegen die Teilnahme an Abendmahl und Kommunion ausdrücklich und aktiv hinzuweisen. Andere äußerten daraufhin ihre Sorgen um mögliche disziplinarische Konsequenzen, die hierdurch die hauptamtlichen Mitarbeiter treffen könnten. Eine Lösung für dieses Dilemma fanden die Anwesenden nicht. Dennoch herrschte Einigkeit, dass die Ökumene vertieft und einen noch größeren Stellenwert erhalten sollte.

Freie Gesprächsrunde am 3. März

Die Veranstaltungsreihe wird am 3. März mit einer freien Gesprächsrunde fortgesetzt. Am 7. April steht das  Thema Rassismus auf der Tagesordnung. Dazu wird es am 17. März um 15 Uhr im Gemeindehaus ein Lesestück geben von der Gruppe Criesu aus Taunusstein. Sie befasst sich mit den internationalen Flüchtlingskonferenzen von Evian  im Juli 1938, bei denen es um die Aufnahme der von den Nazis verfolgten Juden ging.

Wer selbst etwas vorschlagen oder sich beteiligten möchte, kann sich unter meinung@bistumchristen-schiersteinlimburg.de an die Organisatoren wenden.