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Verwundete Seelen

Ökumenischer Gottesdienst für die Verstorbenen in der Corona-Pandemie
Verwundete Seelen
Verwundete Seelen
Bischof Georg Bätzing während des ökumenischen Gottesdienstes in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. © Gordon Weltes/Pool/KNA

In Gedenken an die Verstorbenen und Hinterbliebenen in der Corona-Pandemie haben die christlichen Kirchen am Sonntag, 18. April 2021, einen ökumenischen Gottesdienst in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gefeiert. Anhand der biblischen Geschichte vom Weg der Jünger Jesu nach Emmaus gab der Gottesdienst Gelegenheit zur Besinnung und zum Abschiednehmen.

Als Gäste waren in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Hinterbliebene eingeladen, ihre Trauer über den Verlust von Angehörigen stellvertretend für viele zum Ausdruck zu bringen. Neben Bundespräsident Steinmeier nahmen Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesratspräsident Reiner Haseloff und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts Stephan Harbarth sowie der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, teil.

„Es fehlt so viel“

Bischof Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), würdigte in seiner Predigt den Moment, innezuhalten und der vielen Toten zu gedenken. „Krankheit, Sterben und Tod lassen sich in diesem langen Jahr nicht wegdrücken, sie schneiden tief ein in das Leben vieler Menschen. Ihr Bild hat sich auch verändert. Tod und Sterben sind uns näher gerückt als zuvor.“ Von jetzt auf gleich müssten Patienten ins Krankenhaus, Abschiede seien holprig und überstürzt. „Dann oft kein Besuch, kein Sich-Aussprechen, kein Trösten in der Angst, kein vergewissernder Blick in die Augen, keine vertraute Hand“, so Bischof Bätzing. Auch nach dem Tod sei alles anders als gewohnt: Das gemeinsame Trauern hat sich verändert. Die Angehörigen können sich nicht gegenseitig mit ihren Worten stützen und trösten. „Sterben an einer ansteckenden Krankheit lässt das alles nicht zu – nicht einmal ein Begräbnis, an dem viele teilnehmen, diesen Menschen würdigen und den Angehörigen beistehen. Es fehlt so viel. Verpasste Augenblicke sind verpasste Chancen – sie sind einmalig, da gibt es kein zweites Mal“, sagte Bischof Bätzing. „Was hier alles fehlt, was einem an Nähe und Zuneigung geraubt wird durch die Pandemie, das verwundet die Seele.“ Die Emmaus-Geschichte mache aber Mut: „Unsere Toten finden ihren Weg ins Leben an der Hand des auferstandenen Jesus. Und auch die Trauernden werden gut begleitet ihren Weg zu neuer Lebensfreude finden. Und wir – miteinander und in Verantwortung füreinander – finden heraus aus dieser Pandemie. Denn Gott geht mit uns“, sagte Bätzing.

Gemeinsam Trauern

© Gordon Weltes/Pool/KNABundeskanzlerin Dr. Angela Merkel (vorne r.) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (mittig).
© Gordon Weltes/Pool/KNABundeskanzlerin Dr. Angela Merkel (vorne r.) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (mittig).
© Gordon Weltes/Pool/KNAV.l.: Heinrich Bedford-Strohm, Radu Constantin Miron, Georg Bätzing.

Landesbischof Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), ging in seiner Predigt auf die Situation der Jünger in der Emmauserzählung ein, die um Jesus trauerten: „Der Tod verändert alles. Es muss eine unendliche Trauer gewesen sein, die den beiden Jüngern auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus damals das Herz schwergemacht hat.“ Heute ginge die Gemeinde diesen Weg mit den Jüngern: „Darunter auch viele, die wie die beiden Jünger einen Menschen verloren haben, der zu den Liebsten gehörte, der vielleicht überhaupt der Liebste war. Die ihn so sehr vermissen. Sie teilen dieses Gefühl: Er könnte jetzt um die Ecke kommen und da sein. Aber er oder sie ist nicht da.“ Und sowohl in der biblischen Geschichte als auch jetzt, in Zeiten der Trauer, die mit vielen Fragen verbunden sei, sei es umso wichtiger, nicht alleine zu sein: „Sie teilen ihre Not. Sie geben so dem Schmerz Raum, fassen Trauer in Worte, teilen ihre Ohnmacht. So wie wir jetzt.“ Zudem wies Bedford-Strohm auf die Krisenerfahrung der Pandemiezeit als Trauma unserer Seele hin: „Wir werden viel Zeit brauchen, erst recht unsere Kinder, unsere Heranwachsenden, für die diese Krise die Ausdehnung einer gefühlten Ewigkeit hat.“

Der Vorsitzende der ACK, Erzpriester Radu Constantin Miron, betonte: „Seit mehr als einem Jahr beherrscht das Virus unser alltägliches, soziales und berufliches Leben und es macht weder vor Konfessionen, noch vor Religionen, noch vor Nationen halt. Deswegen ist es umso wichtiger, dass wir heute mit diesem Gottesdienst gemeinsam trauern, aber auch ein Zeichen des Trostes setzen – über Grenzen hinweg, die auch das Virus nicht kennt.“

Bundesweite Gedenkveranstaltungen

Zu dem ökumenischen Gottesdienst eingeladen hatten der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), Erzpriester Radu Constantin Miron. Mitgewirkt haben außerdem die jüdische Kantorin Avital Gerstetter sowie Dr. Esnaf Begić, Vorsitzender des Islamkollegs Deutschland e. V.. Im Anschluss fand eine Gedenkveranstaltung statt, zu der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier aufgerufen hatte. Dezentral wurden Gottesdienste ebenfalls den Verstorbenen in der Corona-Pandemie gewidmet und für sie und ihre Angehörigen gebetet.

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