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Alle wollen gehört werden

Diözesanversammlung beschäftigt sich mit neuen Wegen der Partizipation
Alle wollen gehört werden
Alle wollen gehört werden
© Reichwein/Bistum Limburg

Wie können mehr Menschen am kirchlichen Leben und an Entscheidungsprozessen beteiligt werden – diese Frage steht im Bistum Limburg derzeit hoch im Kurs. Neue Formate werden ausprobiert, um Diskussion und Beratung auf eine breitere Basis zu stellen. Jetzt hat sich die Diözesanversammlung des Themas angenommen. Auf der jüngsten Sitzung des Gremiums am Samstag, 16. November, im Wilhelm-Kempf-Haus in Wiesbaden-Naurod  stand das Zauberwort „Partizipation“ auf der Tagesordnung. Der theoretischen Einführung durch Dr. Dominik Hierlemann von der Bertelsmann-Stiftung  folgte im sogenannten World Café gleich eine Art Praxis-Test, bei dem in kleinen, wechselnden Gruppen im regen Austausch Einfälle und Impulse für die Umsetzung gesammelt wurden.

© Reichwein/Bistum LimburgEmpfindet die Gesamtsituation des Bistums wie den "Umbau eines bewohnten Hauses": Ingeborg Schillai
© Reichwein/Bistum LimburgPlakate von PGR-Wahlen: "Freie Wahlen sind der Ausgangspunkt für die Mandate", so Dr. Wolfgang Pax

Zuvor hatte Bischofsvikar Dr. Wolfgang Pax in seinen einleitenden Worten die Notwendigkeit neuer Beteiligungsformen unterstrichen. Es gebe zwar im Rahmen der Limburger Synodalität seit 51 Jahren einen kontinuierlichen Dialog von Amt und Mandat. Freie Wahlen seien der Ausgangspunkt für die Mandate, die Gremienarbeit basiere auf demokratischen Normen. Doch merkten viele, „dass wir mit diesem Verfahren auch an Grenzen kommen“. Angesichts der Beteiligung von 15 Prozent der Wahlberechtigten an den Pfarrgemeinderatswahlen müsse gefragt werden, „wie wir erreichen können, dass sich unter uns die größtmögliche Breite an Glaubenshoffnungen und Gestaltungsvorstellungen für die Kirche abbildet.“ Synodalität sei offen für breite Formen von Partizipation, unterstrich Pax, der in diesem Zusammenhang für ein neues Verständnis des Bildes vom guten Hirten und den Schafen warb. Er schätze dieses Bild, weil es um Sorge und Verantwortung gehe. Allerdings müssten sich Mandats- und Amtsträger einen möglichen Rollenwechsel zugestehen: „Jeder von uns kann mal Hirt und mal Schaf sein.“

© Reichwein/Bistum LimburgMenschen empfinden sich wertgeschätzt, wenn sie gefragt werden: Dr. Dominik Hierlemann

Alle wollen gehört werden

Nicht über Kommunikation, sondern über Beteiligung reden, das schrieb der Referent den  Teilnehmern ins Stammbuch. Hierlemann, der bei der Bertelsmann-Stiftung aktuell  Leiter des Projektes "Demokratie und Partizipation in Europa" ist und innovative politische Partizipationsformate entwickelt, ermutigte die Teilnehmer ausdrücklich zu neuen Wegen und neuen Formaten. „Alle wollen gehört werden und mitmachen“, sagte der Politikwissenschaftler und berichtete aus seiner Erfahrung, wie groß das Gefühl der Wertschätzung bei befragten Bürgern sei. Gleichzeitig warnte er davor, die so Angesprochenen dann in dem entsprechenden Prozess zu enttäuschen. Um das zu verhindern, benannte er beherzigenswerte Qualitätsgrundsätze guter Beteiligung, zum Beispiel klare Ziele, einen frühzeitigen Beginn, ausreichend Ressourcen und Transparenz. Anklang fand, wie sich später im Austausch zeigte, das von ihm verwendete Fachwort Deliberation, das er mit der  Suche nach Konsens und Gemeinsamkeiten umschrieb und dass das Gegenteil von Debatte sei.

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Ideen für mehr Partizipation

Die Herausforderungen, wie sie Hierlemann vor allem auf die Gesellschaft bezogen genannt hatte, gleichen denen in der Kirche. Das wurde an vielen Tischen im anschließenden World Café festgestellt - von grassierenden Vertrauensdefiziten über die Präsenz der immer selben „üblichen Verdächtigen“ bis zur Bereitschaft zu einem höchstens punktuellen Engagement. Das begrenzte Zeitbudget der Menschen heute müsse ebenso akzeptiert werden wie die gesellschaftliche Situation generell, notierte dazu eine Gruppe. Beteiligung funktioniere nur auf Augenhöhe, sie müsse zugelassen werden, hieß es in einer anderen.

Dass es den gewählten Vertretern der Katholiken im Bistum an guten Ideen für mehr Partizipation nicht mangelt, zeigten die Stichworte, die in der Schlussrunde flugs schwarz auf weiß festgehalten wurden, wie zum Beispiel: Ein Jugendforum initiieren, eine Zufallsbefragung ausprobieren, stärker projektbezogen arbeiten, die Synodalordnung zeitgemäß ändern und Dienstgespräche in der Pfarrei für alle Betroffenen öffnen.

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Die Diözesanversammlung hat die Frankfurter Theologin Dr. Barbara Wieland als ihre Vertreterin in die Synodalversammlung des synodalen Wegs von Bischofskonferenz und Zentralkomitee der deutschen Katholiken entsandt. Die erste Tagung wird in Frankfurt im Dominikanerkloster sein, „ein schönes, ökumenisches Zeichen“, wie Ingeborg Schillai, Präsidentin der Diözesanversammlung, in ihrem Bericht erklärte. Im Rahmen ihrer Sitzung ist die Diözesanversammlung außerdem dem Ökumenischen Netzwerk Klimagerechtigkeit beigetreten.  

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