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09.09.2017

Räume aus Licht und Musik

„Viridissima“ mit Gregorianik und Hildegard-Liedern

Poetisch und voller Zauber: Viridissima lässt Musik und Licht verschmelzen. Fotos: Jochen Reichwein

WIESBADEN. – Als Erstes fällt der Blick des Konzertbesuchers auf den weißgedeckten Tisch zwischen den hinteren Bankreihen: Darauf stehen Wasserflaschen und Spiritus, Spülmittel und Zucker, Farbpulver, Zellophanfolie, ein weißes Spitzendeckchen. Es ist an diesem Freitagabend, 8.  September, der Arbeitsplatz der Projektionskünstlerin Katrin Bethge, die dazu beiträgt, die Dreifaltigkeitskirche zu einem mystischen Ort werden zu lassen. Den anderen Hauptpart dabei nehmen die fünf Sängerinnen des Frauenensembles Kaliomene ein, die mit dem Konzert „Viridissima“ ein Gastspiel in Wiesbaden geben. Konzipiert wurde es von Ximena Gonzaléz, die heute ein Heimspiel hat. Sie ist als Kirchenmusikerin in der hier ansässigen spanischsprachigen Gemeinde tätig.

Es tropft und blüht und fließt

Bis auf ein paar Kerzen im Altarraum ist die Kirche dunkel, als die Sängerinnen in pastellfarbenen,  weich fließenden Gewändern feierlich durch den Mittelgang schreiten und anheben zu singen: gregorianische Kompositionen alter Meister, Lieder von Hildegard von Bingen und neue Werke von Raphael Languillat wechseln sich ab. Während ihre schönen und klaren Stimmen die Kirche füllen, verwandelt und verzaubert sich der Innenraum. Zweige wachsen in die Höhe, es tropft und blüht und fließt, Farben und Formen greifen dynamisch ineinander und geben der Musik ein Gesicht. Ruhig und hoch konzentriert bewegt Katrin Bethge Gegenstände auf der Leuchtfläche ihres Projektors, mischt immer neue Materialien in einem Glasbecken, gießt etwas hinzu, pustet sanft hinein, zeichnet und rührt sachte mit einem Schneebesen.

Lebendige Grünkraft

Dass Grün bei alldem unter den Farben dominiert, hat seinen  Grund. Ausgangspunkt des Projekts Viridissima ist der Begriff des „Viriditas“ von Hildegard von Bingen. Diese Idee einer lebendigen Grünkraft, einer Grundkraft, die die gesamte Natur in Balance hält, hat die Musikerin Ximena Gonzaléz zu diesem ungewöhnlichen Konzert inspiriert. Die Lichtprojektionen sind für sie ein wesentlicher  Aspekt, weil auch in den Liedtexten der Heiligen Hildegard die Rede ist von Farben, Formen, Texturen. Wie überzeugend die Wirkung von Musik und Licht ist, zeigt die begeisterte Reaktion der Konzertbesucher in Wiesbaden: Stehend gibt es zum Abschluss lange Applaus. (rei)

Die zwei letzten Aufführungen von Viridissima sind am 9. September, in der St. Elisabeth-Kirche in Darmstadt und am 10. September in der Basilika Schloss Johannisberg in Geisenheim. Tickets und weitere Informationen unter www.Kaliomene.eu. 

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