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11.10.2017

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Missio-Gast Schwester Hilaria kommt nach Wiesbaden

Schwester Hilaria ist in Burkina Faso als Gefängnisseelsorgerin tätig. Foto: missio

WIESBADEN. - "Frauen und Kinder sind die ersten Opfer der extremen Armut des Landes" - Die aus dem indischen Kerala stammende Ordensschwester Hilaria Puthirikkal weiß, wovon sie spricht. Seit 2011 betreut sie in Bobo-Dioulasso, der zweitgrößten Stadt Burkina Fasos, dem diesjährigen Schwerpunktland von missio, inhaftierte Frauen. Die 71-jährige Gefängnisseelsorgerin ist in diesem Jahr als missio-Gast im Bistum Limburg unterwegs. Am Mittwoch, 18. Oktober, wird sie um 18 Uhr den Gottesdienst in der St. Bonifatiuskirche mitfeiern. Anschließend ist ein Gespräch im Pfarrzentrum geplant.

Schwestern vom Guten Hirten

Schon als Kind verspürte sie den Wunsch, Ordensfrau zu werden. "Als uns ein Priester in der Schule fragte: 'Wer von euch möchte Missionarin werden und in ein fernes Land gehen?' Da habe ich aufgezeigt und gerufen: 'Ich!'", erinnert sich Schwester Hilaria. Mit 19 Jahren kommt sie 1965 nach Deutschland, lernt die Sprache und tritt in das Noviziat der Schwestern vom Guten Hirten in München ein. Sie absolviert eine Ausbildung zur Sozialpädagogin und arbeitet im Anschluss an ihre Profess neun Jahre in Baden-Baden mit straffällig gewordenen Jugendlichen. Im Anschluss hat sie die Aufgabe übernommen, eine neue Ordensgemeinschaft in Madagaskar aufzubauen, und kümmert sich in den 23 Jahren auf der Insel besonders um junge Mädchen, Frauen und Familien in Notsituationen.

Katastrophale Haftbedingungen

In ihrer derzeitigen Position besucht sie die inhaftierten Frauen regelmäßig, informiert über Rechte und spricht über Themen, die in Burkina Faso tabuisiert werden: Genitalverstümmelung, Frühehe sowie HIV und Aids. Themen, die oft im Leben der Frauen eine große Rolle spielen. Die Bedingungen in den einheimischen Gefängnissen sind katastrophal. Viele Frauen sitzen jahrelang ohne Urteil in Haft. Die wenigsten können sich einen Anwalt leisten. Bei einigen Frauen habe bereits eine positive Entwicklung begonnen, berichtet Schwester Hilaria: "Sie entwickeln mehr Verantwortungsbewusstsein und Selbstwertgefühl. Es ist das Größte für mich zu sehen, wie die Inhaftierten durch unsere Gespräche Versöhnung mit sich selbst, ihrer Familie und mit Gott erleben." Neben der Gefängnisarbeit hilft Schwester Hilaria jungen Frauen, mit einer kleinen Starthilfe eigene einkommensschaffende Projekte zu starten. Damit können sie die Familie versorgen und Kinder zur Schule schicken.

Viele Mädchen zwangsverheiratet

Mit Bildungsinitiativen, Schutzzentren, Selbsthilfeprojekten und Jugendseelsorge hilft die Kirche in Burkina Faso besonders den Bedürftigsten. Oft sind dies Mädchen und Frauen. Jedes zweite Mädchen unter 18 Jahren wird in Burkina Faso zwangsverheiratet, manchmal schon mit zwölf Jahren. Der Schulbesuch bleibt für viele nur ein Traum. Traditionen wie Hexenverfolgung oder Genitalverstümmelung sind trotz gesetzlicher Verbote weitverbreitet.