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Wir-Gefühl in der Design-Werkstatt

Spannender Konzepttag zum Haus der katholischen Kirche in Wiesbaden
Wir-Gefühl in der Design-Werkstatt
Wir-Gefühl in der Design-Werkstatt
Werkstatt Roncalli-Haus: Viele Perspektiven und eine freundliche und entspannte Atmosphäre © Reichwein/Bistum Limburg
© Reichwein/Bistum LimburgGroße Runde am wahrscheinlich letzten heißen Sommertag des Jahres

Für diesen Tag hat das Roncalli-Haus seine mögliche neue Funktion schon mal probeweise vorweg genommen: Zumindest hat es am Samstag, 31. August,  viele verschiedene Menschen aus der Stadt zusammengeführt, die gemeinsam nachgedacht, zugehört, Ideen gesponnen und sich – freundlich und konzentriert – die Köpfe heiß geredet haben. Es ging um nichts Geringeres als die Zukunft: Wie kann sich das Haus der katholischen Kirche in Wiesbaden künftig positionieren? Anlass für diese grundsätzlichen Überlegungen ist die bevorstehende aufwändige Renovierung des Vorderhauses, erläuterte Stadtdekan Klaus Nebel in seiner Begrüßung und sprach dabei von „einer Riesenchance“, die mit dem Haus und seiner zentralen Lage in Wiesbaden verbunden sei. Selbst den hochsommerlichen „Gewächshaustemperaturen“ konnte er in diesem Zusammenhang noch etwas Positives abgewinnen: Schließlich solle hier etwas Neues wachsen und gedeihen.

© Reichwein/Bistum Limburg

Für wen wollen wir da sein?

Was jetzt schon alles wächst und gedeiht, die Fülle der Einrichtungen im Haus, die von der Allgemeinen Sozialberatung über das Katholische Stadtbüro bis zur Tageseinrichtung für Kleinkinder reicht, blitzte in der kurzen Vorstellungsrunde von Caritasdirektorin Maria-Theresia Gräfin von Spee auf. Sie konnte unter den rund 80 Teilnehmern aber auch Mitglieder aus den Pfarreien und katholischen Einrichtungen sowie aus vielfältigen anderen Bezügen in der Stadt willkommen heißen. Viele Perspektiven einholen, Vergemeinschaftung und Beteiligung ganz im Sinne der Kirchenentwicklung, das skizzierte Bischofsvikar Christof May als Ziel der Veranstaltung. Mit der Frage „Für wen sind wir eigentlich da?“ gab er die Losung für die Design-Werkstatt aus, deren Format von den kirchlichen Organisationsberatern Christoph Rüdesheim und Christian Jeuck entwickelt worden war.

© Reichwein/Bistum LimburgDie Ergebnisse konnten in kleinen Stehrunden draußen begutachtet werden - bei einem leckeren Eis direkt vom Wagen

Welche Funktion hat die katholische Kirche für die Stadt? Wie könnten strategische Optionen und Zukunftsentwürfe aussehen? Und was verbinden eigentlich die Wiesbadener mit dem Haus? Genug Themen für einen Tag und viele intensive Gespräche. Die kleinste Gruppe mit neun Teilnehmern war im Außendienst und brachte vom Marktplatz und der Fußgängerzone O-Töne und „spannende Erfahrungen“ mit. Die Interviewer erzählten von guten Gesprächen, grundsätzlicher Kirchenkritik, durchaus konkreten Wünschen - zum Beispiel nach der Vermietung von Räumlichkeiten- , aber auch von offensichtlichem Desinteresse. Junge Leute seien gar nicht ansprechbar gewesen, lautete das Fazit. Die "abwesende" Jugend war hier wie auch an anderer Stelle immer mal wieder Thema. Zwei Drittel der 30 Befragten kannten das Haus, einige von Veranstaltungen, manche nur vom Namen her. Selbst vor dem Gebäude stehend, hätten einzelne Passanten nur mit ratlosem Kopfschütteln reagiert. Das Haus der katholischen Kirche muss nach außen hin sichtbarer werden, zeigten sich im Nachgang viele Teilnehmer überzeugt - das Entree,  einladender und transparenter gestaltet und mit einem schönen Café, könne einen entscheidenden Beitrag zur Offenheit und Öffnung leisten.

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Ein Ort der Begegnung

Dass das Haus darüber hinaus ganz viel Potential hat, war Konsens. Oase in der Stadt, geistliches Zentrum, eine "Marke" mit viel Ausstrahlung in die Stadtöffentlichkeit, ein  Platz zum Netzwerken, für Bildung und Kultur und für professionelle Unterstützung: All das waren Stichworte, die im Rahmen der Veranstaltung zusammengetragen wurden. Vor allem aber auch ein Ort, der Begegnung ermöglicht - über alle Generationen, Schichten und Nationalitäten hinweg.  Dieses Anliegen wurde von den befragten Passanten ebenso genannt wie im Haus selbst und floss ein in die erarbeiteten Missions-Statements. Das Roncalli-Haus müsse sich engagieren als offener, inspirierender Ort der Begegnung und Beratung, vielfältig, authentisch und zugewandt für die Menschen, hatte eine Gruppe formuliert. „Das Roncalli-Haus ist für Wiesbaden und Umgebung ein einladender Christallisationspunkt, in dem Glaube lebendig wird, in dem wir kommunizieren, zusammen führen und Hilfestellung geben, bilden, beten und beraten“, lautete ein anderes Statement.

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Bei allen auch unterschiedlichen Ansichten, unter anderem im Blick auf die Bewahrung katholischer Identität bei grundsätzlicher Öffnung nach außen, waren sich die meisten  Teilnehmer in der  Schlußrunde einig in der Wertschätzung für diesen Tag. Christof May, der von "einer gewisse Skepsis" bei dem einen oder anderen im Vorfeld sprach, zog ebenfalls ein positives Resümee: "Für mich war das ein großer Mehrgewinn." Nach deer "Nachhaltigkeit" des Erarbeiteten gefragt, betonte er, dass die Ergebnisse der Werkstatt protokolliert und aufgehoben würden. Das Konzept werde auf der Grundlage dessen entstehen, "was heute erarbeitet worden ist". Den Teilnehmern sicherte er Transparenz und einen kontinuierlichen Informationsfluss zu. "Mit großer Dankbarkeit" äußerte sich abschließend auch Stadtdekan Nebel, der wie May das neu entstandene "Wir-Gefühl" aller Beteiligten unterstrich. Alle Mitwirkenden seien doch heute "ein bisschen Roncalli-Haus" geworden.

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