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„Lassen Sie uns unsere Kirche gestalten“

Synodale treffen sich zur zweiten Online-Konferenz
„Lassen Sie uns unsere Kirche gestalten“
„Lassen Sie uns unsere Kirche gestalten“
Bischof Georg und Thomas Sternberg nahmen in Bonn an der Online-Konferenz teil. © Julia Rosner/DBK

Am Freitagabend, 5. Februar, ist die zweitägige Online-Konferenz des Synodalen Weges zu Ende gegangen. Nach der ersten Synodalversammlung vor einem Jahr in Frankfurt am Main und den Regionenkonferenzen im vergangenen Herbst war diese Konferenz unter Coronabedingungen eine weitere Etappe. Teilgenommen haben die Mitglieder der Synodalversammlung, die weiteren Mitglieder der vier Synodalforen, Beobachterinnen und Beobachter aus der Ökumene und dem benachbarten Ausland sowie die diözesanen Ansprechpartner. Außerdem haben mehr als 80 Medienvertreter die Konferenz begleitet.

Im Mittelpunkt des ersten Tages stand die Debatte um den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche. Das Sprecherteam des Betroffenenbeirats der Deutschen Bischofskonferenz mit Johanna Beck, Kai Christian Moritz und Johannes Norpoth wandte sich dabei mit Plädoyers für notwendige Handlungsschritte vor dem Hintergrund persönlicher Erfahrungen an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer: „Lassen wir uns nicht von im Alarmmodus befindlichen und irritierten Systemen ablenken. Entscheidend für die Glaubwürdigkeit, für die Reputation unserer Kirche und für uns Betroffene wird sein, wie mit den Ergebnissen, wann immer sie auch öffentlich werden, auf Leitungsebene der Bistümer umgegangen wird. Welche Konsequenzen, auch mit Blick auf Personen, gezogen werden und was, und das ist uns in diesem Moment besonders wichtig, von wortreichen und bedeutungsschwangeren Erklärungen zu eigenem Aufklärungswillen aus der Vergangenheit in Gegenwart und Zukunft übrig bleibt“, so das Sprecherteam. Und weiter: „Sexualisierte Gewalt und geistlicher Missbrauch an Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen stellt eine unfassbare Pervertierung des Evangeliums dar. Alles daran zu setzen, dass diese Pervertierung beendet wird (auch wenn man dafür vielleicht seine theologische Comfort-Zone verlassen muss), ist Evangelisierung.“

Bischof Dr. Stephan Ackermann, Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen des sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich und für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes, erinnerte an die Selbstverpflichtungen, die die Deutsche Bischofskonferenz nach der MHG-Studie eingegangen sei. „Besonders wichtig waren die Einrichtung eines Betroffenenbeirats, die Fortentwicklung des Verfahrens zur Anerkennung des Leids sowie die Entwicklung von einheitlichen Kriterien für die Aufarbeitungsprozesse in den Bistümern. In der nächsten Zeit geht es um die Einrichtung eines wirksamen Monitorings für die Instrumente der Prävention, der Intervention und der Aufarbeitung“, so Bischof Ackermann.

Berichte aus den vier Synodalforen

In der Online-Konferenz war der dringende Wunsch spürbar, die Aufarbeitung von Missbrauch und sexualisierter Gewalt in allen Bistümern zügig voranzubringen und so neues Vertrauen und neue Glaubwürdigkeit zu gewinnen. Dazu hatte das Präsidium des Synodalen Weges unmittelbar vor der Online-Konferenz die Erklärung „Transparenz und Verantwortung – Konsequent gegen sexuellen Missbrauch und Gewalt in der Kirche“ veröffentlicht. Darin heißt es: „Die von Missbrauch und Gewalt Betroffenen bitten wir, kritisch auf unseren Weg zu schauen. Wir arbeiten daran, in der Kirche Formen, Strukturen und Haltungen zu entwickeln, die Angriffen gegen die Würde des Menschen vorbeugen und sie verhindern.“ Das Präsidium des Synodalen Weges möchte deshalb die Mitarbeit von Betroffenenvertretern strukturell im Synodalen Weg verankern. Näheres soll im Gespräch miteinander geklärt werden.

Einen Schwerpunkt des zweiten Konferenztages bildeten Berichte und Aussprachen zur Arbeit in den vier Synodalforen. Dabei wurden Grundlagentexte und wesentliche Fragestellungen in Hearings miteinander diskutiert und durch Stellungnahmen vertieft. Die vorgelegten und weitere, in Vorbereitung befindliche Texte sollen fortentwickelt und im Herbst zur ersten formellen Lesung in die Synodalversammlung gegeben werden. 

Das Präsidium des Synodalen Weges zog eine positive Bilanz der Online-Konferenz. Prof. Dr. Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), betonte zum Abschluss, dass es gut gewesen sei, den Anlass des Reformprozesses, die Erschütterung über sexualisierte Gewalt in der Kirche, ausdrücklich zum Thema zu machen. „Wir konnten eindrucksvolle Beiträge aus dem neuen Betroffenenbeirat hören. Diese außerordentliche Versammlung war richtig und wichtig, trotz der Begrenzungen des Formats. Nun müssen wir energisch auf unserem Weg vorankommen. Jetzt sind Debatte und Beschlussfassung möglich und nötig. Die Grundlagen und Positionen sind geklärt. Mit größter Beteiligung aller Synodalen wurden nun konkrete Voten entwickelt“, so Prof. Sternberg.

Bischof Dr. Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, dankte dem Sprecherteam des Betroffenenbeirates. „Das waren bewegende Zeugnisse und klare Ansagen – an uns alle im Synodalen Weg. Wir werden die Betroffenen in die weitere Arbeit des Synodalen Weges einbinden. Ich bin dankbar für die inhaltlichen Debatten, die wir gestern und heute geführt haben. Wir spüren alle: Es ist hoher Druck da und ich kann die Unruhe verstehen. Wir haben diesen Weg begonnen und wir werden am Ende Entscheidungen treffen und Beschlüsse fassen. Was mich dabei besonders freut, ist das gute Miteinander von Bischöfen und Laien in sachbezogenen, offenen und persönlich geprägten Diskussionen. Viele haben den Eindruck: Mit dem Synodalen Weg gestalten wir die Zukunft für die Kirche als Weg von ‚Umkehr und Erneuerung‘. Das versuche ich auch bei meinen Gesprächen in Rom deutlich zu machen.“

Karin Kortmann, Vizepräsidentin des ZdK, hob hervor: „Wir sind dankbar, dass Mitglieder des Betroffenenbeirats unsere Einladung zur Mitarbeit angenommen haben. Wir wissen dies sehr zu schätzen. Damit rückt die Betroffenenperspektive stärker in den Mittelpunkt unserer Beratungen. Ihnen sind wir es schuldig, zu guten Ergebnissen zu kommen.“ Zu den aktuellen Entwicklungen im Erzbistum Köln ergänzte sie: „Kardinal Woelki hat versprochen, das neue Gutachten und Namen zu veröffentlichen. Es wird sich an den vom Präsidium geforderten rechtlichen, kirchenrechtlichen, moralischen und geistlichen Ansprüchen messen lassen müssen, die mit seinem Amt verbunden sind. Wir nehmen ihn beim Wort.“

 

Der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Franz-Josef Bode, erklärte, dass er die positiven Möglichkeiten einer so großen Online-Konferenz unterschätzt habe. „Das haben auch die eindrucksvollen Worte der Gäste aus den Nachbarländern und der Ökumene verdeutlicht. Sie haben auch ihre Fragen und Beobachtungen hilfreich und herausfordernd eingebracht.“ Hierzu sprachen Erzpriester Radu Constantin Miron (Orthodoxe Bischofskonferenz Deutschland), Josian Caproens (Europäisches Forum, Belgien) und Bischof Czeslaw Kozon (Nordische Bischofskonferenz, Dänemark). Bischof Bode fügte hinzu: „Darüber hinaus habe ich die Hearings als ein sehr ernstes und konstruktives, wenn auch nicht spannungsfreies Ringen um einen guten Weg der Kirche in die Zukunft erlebt. In einer so durch die Pandemie und die Aufarbeitung des Missbrauchs herausgeforderten Kirche ist diese Online-Gemeinschaft ein von mir nicht erwartetes Zeichen der Hoffnung und des überraschenden Wirkens des Geistes Gottes“, so Bischof Bode.

Das Präsidium betonte außerdem, dass der Handlungsdruck in der Kirche groß sei und die Notwendigkeit von Veränderungen außer Frage stehe. „Der Synodale Weg entsteht beim Gehen. Lassen Sie uns unsere Kirche gestalten“, war der eindringliche Aufruf an die Online-Konferenz. Dabei betonte das Präsidium, dass der Synodale Weg kein unverbindlicher Spaziergang werde, sondern auch zeige, wo es Differenzen gebe. „Umso wichtiger ist es, auch in der Kontroverse zusammenzubleiben und die Weg-Gemeinschaft nicht aufzukündigen, gemeinsam Kirche zu sein. Freimütige Antworten in einer Zeitenwende, die neue und alte Fragen aufwirft, angesichts derer eine Auseinandersetzung berechtigt und notwendig ist, zu geben heißt auch, nicht immer zu völlig einmütigen Antworten zu kommen. Aber es gilt danach zu suchen, auch nach dem Kern von Wahrheit zu suchen in der Aussage von jenem, dessen Meinung ich nicht teile“, so das Präsidium. In diesem Prozess sei daher jede Stimme wichtig, um in der Abwägung von Argumenten die bestmögliche Entscheidung treffen zu können. 

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