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Ein Anwalt von Minderheiten

Pfarrer i. R. Herbert Leuninger ist gestorben
Ein Anwalt von Minderheiten
Ein Anwalt von Minderheiten
© Bistum Limburg

Pfarrer Herbert Leuninger ist am Dienstag, 28. Juli, in Limburg gestorben. Er setzte sich besonders für Asylbewerber und Menschenrechte ein. Leuninger starb im Alter von 87 Jahren. 

Geboren am 8. September 1932, als zweites von drei Kindern in Köln, verbrachte Herbert Leuninger die anfänglichen Kriegsjahre mit seiner Familie in der Stadt am Rhein. 1933 musste sein Vater unter politischem Druck seine Tätigkeit als christlicher Gewerkschaftssekretär aufgeben. Sein Onkel, Widerstandskämpfer gegen das nationalsozialistische Regime, wurde kurz vor Kriegsende hingerichtet. Die immer größer werdende Bedrohung veranlasste die Familie schließlich, nach Mengerskirchen, dem Heimatort seiner Eltern, umzusiedeln. In einem Studienheim der Pallottiner in Vallendar bereitete sich Herbert Leuninger auf das Abitur vor, das er im Jahr 1951 nach der Verlegung des Heimes nach Rheinbach bei Bonn ablegte. Anschließend trat er in die Gesellschaft der Pallottiner ein, begann das Studium der Philosophie und der Theologie und erhielt am 24. Juli 1954 die Tonsur. 

Im Januar 1956 trat er an Bischof Dr. Wilhelm Kempf mit der Bitte heran, in das Bistum Limburg zu wechseln. Der Bischof entsprach dieser Bitte und nach weiteren Studien an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt wurde Herbert Leuninger am 8. Dezember 1958 im Limburger Dom zum Priester geweiht. Die Primiz feierte er mit seinem Bruder Ernst Leuninger, der vor zwei Jahren verstarb und mit dem er lebenslang persönlich und fachlich in engem Austausch stand.

Aufbrüche der Zeit mitgestalten

Seine Kaplansjahre führten ihn nach Oberlahnstein und Frankfurt. Zum 1. April 1967 berief ihn der Bischof zum Pfarrer der Pfarrei Kriftel, drei Jahre später, zum 15. April 1970, zum Bezirksvikar und Jugendpfarrer für den Bezirk Main-Taunus. Leuninger wurde vom zweiten vatikanischen Konzil nachhaltig geprägt, die Aufbrüche dieser Zeit versuchte er mitzugestalten. Die Frage der Stellung der Laien in der Kirche, die Gleichberechtigung der Frauen und die Suche nach einer zeitgemäßen Form der Liturgie bewegten ihn sehr. 

Im November 1972 übernahm Leuninger ein Aufgabenfeld, das ihm ein Herzensanliegen wurde und in dem er in den folgenden Jahrzehnten segensreich wirkte: Als Referent für Ausländerarbeit im Dezernat Kirchliche Dienste hatte er die Aufgabe, die Ausländerseelsorge und -sozialarbeit zu koordinieren, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben und der Kirche auf diesem Gebiet eine Stimme zu verleihen. Zum 1. März 1976 ernannte ihn der Bischof zum Leitenden Referenten und Pfarrer Leuninger wurde Mitglied der Pastoralkammer des Bischöflichen Ordinariates. 

Einsatz für Menschenrechte

Als Mitbegründer der Menschenrechtsorganisation „Pro Asyl“ im Jahr 1986 war Pfarrer Leuninger bis 1994 deren Sprecher, sowie von 1994 bis 1998 Europareferent. Mit Entschlossenheit und Vehemenz setzte er sich für Asylbewerber ein, mit Hartnäckigkeit und Widerstandskraft agierte er gegenüber politischen, aber auch kirchlichen Funktionsträgern, heißt es im Nachruf des Bistums Limburg. Pfarrer Leuninger war ein unbequemer Mahner, der als Anwalt von Minderheiten Ungerechtigkeit nicht nur anprangerte, sondern auch konkret tätig wurde. Sich in das gesellschaftliche Leben einzumischen, für ein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens zu arbeiten – darin sah er, wie er einmal sagte, seine Aufgabe, trotz aller Drohungen und Anfeindungen, denen er teilweise ausgesetzt war. Stets stand er im ökumenischen Austausch, vor allem bei den Begegnungen im Flüchtlingslager in Schwalbach in der Nähe des Frankfurter Flughafens. Für sein Engagement wurde er später mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 1991 mit der Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes Hessen und 1998 mit dem Walter-Dirks-Preis, den er zusammen mit seinem Bruder verliehen bekam.

Ab Oktober 1992 war Pfarrer Leuninger bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand am 1. Mai 2000 als Seelsorger im Altenheim Maria Elisabeth in Hofheim tätig. Seinen Ruhestand verbrachte er in Limburg und konnte am 8. Dezember 2018 sein Diamantenes Priesterjubiläum feiern.

Requiem und Beisetzung

Das Requiem für Pfarrer Leuninger wird am Freitag, 7. August 2020, um 10:15 Uhr im Limburger Dom gefeiert. Anschließend erfolgt die Urnenbeisetzung auf dem Hauptfriedhof in Limburg (Friedhofsweg). Aufgrund der coronabedingten Beschränkungen ist eine vorherige Anmeldung der Teilnahme sowohl für das Requiem wie auch für die Beisetzung beim Bestattungsinstitut Ehmann (E-Mail: anmeldung@ehmann-limburg.de) erforderlich.