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„Auswirkungen der Pandemie für Jugendliche desaströs“

Bistum Limburg und Diözesancaritasverband erheben ihre Stimme für Jugendliche und junge Erwachsene
„Auswirkungen der Pandemie für Jugendliche desaströs“
„Auswirkungen der Pandemie für Jugendliche desaströs“
Depressionen und Ängste sind Auswirkungen der Pandemie auf Jugendliche und junge Erwachsene. © Free-Photos/ pixabay.com

Überforderung, Rückzug, Antriebslosigkeit: Das Bistum Limburg und der Caritasverband für die Diözese Limburg (DiCV Limburg) appellieren an die Politik, die prekäre Lage von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Pandemie ernst zu nehmen. Darüber hinaus entwickeln der DiCV und das Bistum Formate für Jugendliche in der Pandemie. Heranwachsenden sollen mit kurzfristigen Maßnahmen unter anderem die für sie so wichtigen Begegnungen mit anderen ermöglicht werden. Dazu kooperieren Pfarreien, Beratungseinrichtungen und Schulen; Verbände und Fachstellen entwickeln Konzepte für verschiedene Corona-Szenarien der kommenden Monate. „Die Lage von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist überhaupt nicht ausreichend im Blick – zumindest das, was über die mit HomeSchooling einhergehende Bildungsproblematik hinausgeht,“ erklärt Eva Hannöver-Meurer vom DiCV. „Wir müssen über das Alleingelassensein in der Pandemie, über Frust, Depressionen und vor allem den fehlenden Austausch in der eigenen Peer-Gruppe reden. Wir müssen darüber reden, dass sich soziale Ängste und selbstverletzendes Verhalten massiv verschärft haben und dass Angststörungen spürbar zugenommen haben.“

In einem eigens zum Thema organisierten Fachaustausch mit Mitarbeitenden aus der Caritas und der Pastoral, mit Schulsozialarbeitern, Sozialpädagoginnen und anderen Akteuren in der Jugendhilfe und Beratung waren zuvor akute Notlagen und Zeichen für Langzeitfolgen benannt worden. Dabei seien, so Elmar Honemann vom Arbeitsstab Corona des Bistums, vor allem drei Tendenzen zu beobachten: Depressivität, Desozialisierung und Aggressivität. 
 

Anmeldungen bei Beratungsstellen gehen „durch die Decke“

Schulseelsorger berichten von Kindern, die sich ganz auf sich allein gestellt fühlen; Jugendliche litten unter teils massivem Mobbing, ohne dass Lehrer oder Mitschülerinnen und Mitschüler eingreifen könnten, und ziehen sich auch aus ihrem ehrenamtlichen Engagement zurück. Mitarbeitende der Hochschulseelsorge schildern, wie Studierende den Sinn all ihrer Lebenspläne in Frage stellen. Noch dazu fallen seit sehr langer Zeit Kompensationsmöglichkeiten weg: Weder der vertrauensvolle Austausch im Freundeskreis noch Vereinssport, Musikproben o.ä. sind möglich. 

Problematisch ist zudem die erzwungene Enge der Familiensysteme, was Aggressionen immer weiter ansteigen lässt – und nicht ohne Auswirkungen bleibt für Heranwachsende, ob als Betroffene oder als Beobachtende. Die Anmeldungen bei psychologischen Beratungsstellen gehen laut den dort Verantwortlichen „durch die Decke“. Erstmals müssten sogar eindeutige Notfälle auf eine Warteliste gesetzt werden. Die Problemanzeige aus Pfarreien und katholischen Beratungsstellen sind jüngst bestätigt worden durch quantitative Forschung wie der Bertelsmann-Studie und dem UNICEF-Deutschland-Bericht.
 

Akute Nöte von Jugendlichen drohen sich langfristig zu verfestigen

„Die Auswirkungen der Pandemie für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sind in psychischer Hinsicht desaströs. Viele akute Nöte von Jugendlichen drohen sich langfristig zu verfestigen. Das muss uns alarmieren,“ bilanziert Honemann. „Für diese Generation brauchen wir dringend mehr Aufmerksamkeit und eine gemeinsame Anstrengung auch von anderen gesellschaftlichen Protagonisten“. Auch finanzielle Notlagen verschärfen sich für Kinder und Jugendliche seit Beginn der Pandemie. Das Fehlen technischer Ausstattung im Elternhaus verfestigt unmittelbar eine Benachteiligung im Bildungs- und Freizeitbereich. Die massiv weggebrochenen Möglichkeiten für Nebenjobs, beispielsweise in der Gastronomie für Studierende, sind nicht nur finanziell problematisch: Mit ihnen fallen auch wichtige Erfahrungen von Autonomie weg, ergänzt Hannöver-Meurer. 

Bischof Dr. Georg Bätzing und Diözesancaritasdirektor Jörg Klärner betonen, dabei auf keinen Fall Gruppen von Betroffenen gegen andere ausspielen zu wollen: „Corona fordert viele Opfer – nicht nur bei denen, die daran erkranken. Wir wollen jede Form von Bedrängnis, Ängsten und Leiden ernst nehmen. Das gehört zu meinem Verständnis von Kirche dazu“, so Bätzing. Die Kirche müsse Anwältin für die Menschen sein, die von sich aus keine Öffentlichkeit finden. „Jugendliche und junge Erwachsenen sind nicht nur Schüler, Studierende oder Auszubildende, sondern Menschen in einer Lebensphase, in denen das Miteinander mit anderen in Peergroups und Beziehungen von wesentlicher Bedeutung ist. Dieses gilt es endlich in den Blick zu nehmen“, sagt Klärner. 

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