WIESBADEN. – Mit 10.000 Euro fördert die gemeinnützige Stiftung „Daheim im Heim“ ein neues Angebot für demenzkranke Menschen im Wiesbadener Antoniusheim. „Mit der Tagesoase unterstützen wir ein innovatives Projekt, mit dem eine neue Betreuungsform speziell für demenziell erkrankte Menschen erprobt und wissenschaftlich überprüft wird“, begründet Bundesministerin a.D. Hannelore Rönsch als Vorsitzende des Stiftungskuratoriums die Bewilligung der Fördermittel. Das Geld soll speziell für Fortbildung und Qualifizierung der Mitarbeiter und Ehrenamtlichen eingesetzt werden, die hier tätig sein werden.
Am 1. Juli ziehen die ersten Bewohner in die Tagesoase ein. Acht alte Menschen, deren Demenzerkrankung weit fortgeschritten ist, werden hier leben und den Tag gemeinsam in einem Gruppenraum verbringen. Die Kranken sind schwerstpflegebedürftig, nicht mehr mobil und weitgehend eingeschränkt in ihren Kommunikationsmöglichkeiten. Mit der Tagesoase soll der Isolierung dieser Gruppe von Demenzkranken entgegen gewirkt und eine Möglichkeit geschaffen werden, „diese Menschen in eine Gemeinschaft zu integrieren und besser und individueller auf ihre Bedürfnisse eingehen zu können“, erklärt Michael Klas, Geschäftsführer der Caritas Altenwohn- und Pflegegesellschaft (CAP), das Konzept. Angehörige, die sich nicht selten allein mit einem schwerstpflegebedürftigen Menschen überfordert fühlen, werden durch dieses Angebot entlastet. Sie werden in den Tagesablauf einbezogen, gemütliche Sitzgruppen laden ein zum gelegentlichen Rückzug und zum Gespräch mit anderen Angehörigen oder Mitarbeitern.
Die durch die Stiftung „Daheim im Heim“ geförderten Fortbildungen und Schulungsmaßnahmen sind auf die Arbeit mit demenzkranken Menschen zugeschnitten. Schulungsbereiche werden unter anderem Biografiearbeit und Milieugestaltung, kommunikative Zugangsmöglichkeiten, Anregung von Sinneserlebnissen, zum Beispiel durch Musiktherapie, Ernährung und Flüssigkeitszufuhr sowie ethische Aspekte im Umgang mit Demenzkranken sein.
Das Konzept der Pflegeoase, das im Antoniusheim als Tagesoase umgesetzt wird, wurde in Wetzikon, in der Schweiz, entwickelt. In der Bundesrepublik gibt es inzwischen 18 Pflegeoasen mit unterschiedlichen Konzepten, in Hessen bisher nur in Witzenhausen (Nordhessen). Das Projekt im Antoniusheim wird über zwei Jahre wissenschaftlich von Prof. Dr. Renate Stemmer von der Katholischen Fachhochschule Mainz begleitet. Die Tagesoase wurde bisher von der Landeshauptstadt Wiesbaden für Umbau, Einrichtung und Gestaltung mit 20.000 Euro gefördert, von der Caritasstiftung in der Diözese Limburg mit 10.000 Euro und vom Förderverein Antoniusheim mit 5.000 Euro. (CV/rei)